Stimmstörungen bei Erwachsenen – Dysphonien

Was ist eine Stimmstörung bei Erwachsenen?


Unter einer Stimmstörung versteht man die Beeinträchtigung der Stimm- und Atemfunktion. Sie äußert sich in einer Veränderung des Stimmklangs und der Stimmhöhe, verminderter stimmlicher Belastbarkeit und veränderter Atmenmuster. Stimmstörungen können verschiedene Ursachen haben. Man unterscheidet daher in organisch bedingte, funktionelle und psychogene Dysphonien.

Welche Symptome treten bei Stimmstörungen auf?


  • veränderter Stimmklang:
    • Heiserkeit
    • Stimme klingt rau, knarrig, kratzig oder behaucht, leise, tonlos
    • Verminderte Resonanz
  • eingeschränkte stimmliche Belastbarkeit:
    • Ermüdungserscheinungen
    • zunehmende Heiserkeit
    • deutliche Sprechanstrengung
    • eingeschränkte Lautstärke
    • Versagen der Stimme
    • überhöhte Sprechstimmlage
    • Missempfindungen
  • Schmerzen und Missempfindungen im Halsbereich:
    • Reizungen der Schleimhäute, Rötungen, Irritationen der Stimmlippen
    • Fremdkörper- oder Kloßgefühl
    • Trockenheitsgefühl, Kratzen, Brennen im Hals
    • Räusperzwang oder Hustenreiz
  • Verschiebung der Sprechstimmlage:
    • zu hohes oder zu tiefes Sprechen
    • eingeschränkter Stimmumfang
  • Veränderung der Atmung:
    • Hochatmung
    • hörbare Einatmung „Schappatmung“
    • schnelle, flache Atmung
    • Kurzatmigkeit
  • Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich oder Kiefer
  • eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit (die Betroffenen meiden Sprechsituationen und entwickeln Sprechängste)

Formen von Stimmstörungen bei Erwachsenen


Funktionelle Stimmstörungen:

Funktionelle Stimmstörungen sind Krankheiten der Stimme, die durch eine Störung des Stimmklangs und eingeschränkter stimmlicher Leistungsfähigkeit gekennzeichnet sind, ohne dass organische Veränderungen des Stimmapparates nachweisbar sind. Sie entstehen meist über Jahre durch einen falschen Stimmgebrauch und ein gestörtes muskuläres Gleichgewicht der Kehlkopfmuskeln.

Ursachen:

Zu einer funktionellen Dysphonie führt selten eine Ursache allein, sondern vielmehr ein multifaktorielles Geschehen, also ein Komplex vieler Ursachen, die zusammen wirken. Das können sein:

  • Fehl- oder Überbelastung der Stimme und falscher Stimmgebrauch (zu langes, zu lautes, angestrengtes Sprechen) durch beispielsweise Sprechberufe, stimmintensive Hobbies oder Sprechen im Umgebungslärm etc.
  • gewohnheitsbedingte Faktoren wie häufiges Räuspern, Nachahmen falscher Stimmvorbilder
  • Veranlagung (Kehlkopfbeschaffenheit, Körpertyp, Hörvermögen usw.) 

Organisch bedingte Stimmstörungen:

Bei einer organischen Dysphonie ist die Stimme durch krankhafte anatomische Veränderungen im Bereich des Kehlkopfes beeinträchtigt. Sie äußert sich in einem veränderten Stimmklang, der häufig rau, heiser oder diplophon ist oder eine Stimmproduktion ist ganz oder vorübergehend nicht mehr möglich. Weiterhin kann es zu Missempfindungen im Kehlkopf, Hustenreiz und Räusperzwang kommen.

Ursachen:

  • organische Grunderkrankungen im HNO-Bereich wie häufige Kehlkopfentzündungen, Reflux
  • organische Veränderungen der Stimmlippen (Stimmlippenknötchen, -zysten, -ödeme)
  • Stimmlippenlähmungen (Recurrensparesen)
  • Verletzungen des Kehlkopfes durch Unfälle, Operationen, Intubation
  • Entfernen von Teilen der Stimmlippen oder des Kehlkopfes bei Tumoren (Teilresektion, Larynektomie)
  • angeborene Kehlkopffehlbildungen
  • hormonelle Einflüsse (z.B. durch Anti-Babypillen)
  • Einwirkungen von Giften (Rauchen, chemische Dämpfe, toxische Umwelteinflüsse etc.)
  • neurologische Erkrankungen (z.B. Morbus Parkinson, ALS, Schlaganfälle usw.)

Psychogene Stimmstörungen:

Psychogene Stimmstörungen entstehen allein durch psychosomatische und soziale Einflüsse. Die auftretenden Stimmprobleme sind auf Stressfaktoren zurückzuführen und haben keine organische oder funktionelle Ursache. Die Symptome entwickeln sich sehr plötzlich und sind zu unterscheiden in akuten Stimmverlust (psychogene Aphonie), hier kann der Betroffenen nur noch flüstern, sich aber laut räuspern, husten oder lachen und in eine psychogene Dysphonie mit einem veränderten Stimmklang. Dieser kann entweder heiser, belegt, angestrengt und gepresst sein oder leise, brüchig, behaucht und zitternd. Begleiterscheinungen sind häufig Zittern, Schwitzen, feuchte Hände, Würgereiz und ein Kloß- und Engegefühl im Halsbereich. Psychogene Stimmstörungen werden parallel psychotherapeutische und logopädisch behandelt.

Ursachen:

  • außerordentliche psychische Belastungen
  • schwerwiegende Stresssituationen
  • für den Betroffenen nicht zu bewältigenden Konflikte (z.B. Mobbing, traumatische Erlebnisse, Verluste usw.)

Wie wird eine Dysphonie behandelt?


Ziel:

Das Ziel der Stimmtherapie ist die Wiederherstellung der Alltagstauglichkeit der Stimme und ihrer Belastbarkeit. Die Stimme soll ihre individuelle Leistungsfähigkeit entfalten können und der Stimmklang klar und frei von Störgeräuschen sein. Ein ökonomischer Stimmgebrauch soll durch die Therapie erzielt werden.

Anamnese und Diagnostik:

In einem ausführlichen Erstgespräch werden Fragen zu den stimmlichen Problemen, dem psychischen Befinden und der Lebenssituation und den möglichen Ursachen und eventuellen Erkrankungen geklärt. Anschließend erfolgt die logopädische Befunderhebung. Dabei werden Haltung und Körperspannung, Ruhe- und Sprechatmung, Stimmklang und -lage sowie Artikulation beurteilt.

Therapie und Beratung:

Die Stimmtherapie setzt sich aus verschiedenen Grundbausteinen zusammen. Dazu werden individuelle Übungen, die für den Patienten in seiner jeweiligen beruflichen und privaten Situation und seinen stimmlichen Problemen passen, erarbeitet und trainiert. Diese grundlegenden Therapieelemente sind:

  • Wahrnehmung:

Die Wahrnehmung der eigenen Stimme und der aktuellen Gegebenheiten ist die Grundvoraussetzung für eine mögliche Veränderung. Daher wird diese intensiv in der Therapie geschult. Dem Patienten werden so seine eigenen ungesunden Atem- und Stimmmuster sowie Fehlhaltungen und Verspannungen bewusst gemacht. Er erlernt auch ein besseres Gespür für seine Stimme und individuellen stimmlichen Belastungsgrenzen.

  • Atmung:

Eine gesunde Atemfunktion ist die Basis für eine gesunde Stimme. In der Stimmtherapie werden daher Atemtechniken erlernt, um eine kombinierte Brust-Bauchatmung (Kostoabdominalatmung) anzubahnen und zu festigen und die stimmliche Belastbarkeit zu erhöhen. Der Patient lernt seine Atmung optimal zu dosieren und auf das Sprechen abzupassen. Dabei wird der Ausatemstrom verlängert und die Atemräume bewusst ausgenutzt.

  • Phonation:

Je nach den vorherrschenden Symptomen werden entweder stimmliche Lockerungsübungen oder Kräftigungsübungen ausgesucht. Da oft Mischformen bestehen, können auch beide Schwerpunkte der Stimmübungen kombiniert werden. Es soll so eine gesunde, regelmäßige Schwingung der Stimmlippen erzeugt und Missverhältnisse der Spannung der Kehlkopfmuskulatur ausgeglichen werden. Somit verbessert sich der Stimmklang und Störgeräusche wie Heiserkeit oder Kratzen nehmen ab.

  • Artikulation:

Einen weiteren wichtigen Bestandteil der Stimmtherapie bildet die korrekte Ausformung der Laute. Durch deutliche Sprechbewegungen und eine große Kieferöffnungsweite erhält die Stimme mehr Tragfähigkeit und muss weniger stark belastet werden, um gut verständlich zu sein.

  • Haltung, Tonus und Bewegung:

Gesamtkörperliche Fehlhaltungen und Verspannungen können sich ungünstig auf die Atmung und Stimme auswirken. Dafür kann entweder zu viel (Hypertonus) oder zu wenig (Hypotonus) Spannung verantwortlich sein. Nur mit einer guten, ausgeglichenen Körperspannung und einer guten Haltung, kann sich die Stimme auch optimal entfalten. Daher spielen auch Entspannungsübungen (wie progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder konzentrative Entspannung) eine wichtige Rolle, um eine körperliche Lockerungs- und Lösungsfähigkeit zu erarbeiten und Verspannungen auszugleichen. Hinzu kommen gezielte körperliche Lockerungs- oder Kräftigungs-, Dehnungs- und Bewegungsübungen.

  • Person und Intension:

Die Stimme ist nicht nur ein Werkzeug, sie ist auch Ausdruck unserer Persönlichkeit und spiegelt unsere Stimmung wieder. So wird die Stimmtherapie auch immer auf das individuelle Befinden und die Persönlichkeit des Patienten abgestimmt und nach seinen Wünschen mitgestaltet. Gespräche mit dem Patienten spielen daher eine wichtige Rolle in der Therapie, denn er soll seine veränderte Stimme kennenlernen und akzeptieren. Auch sollen Zusammenhänge zwischen Stimme und Sprechabsicht (Intension) erkannt und gezielt genutzt werden, um die Stimme zu entlasten.

Weiterhin ist eine ausführliche Beratung des Patienten über einen gesunden Umgang mit seiner Stimme (Stimmhygiene) wichtig. Er wird vom Therapeuten über die Ursachen und Folgen seiner Stimmerkrankung aufgeklärt und über eine gesunde Stimmgebung informiert. Auch Gesamtkörperliche Zusammenhänge werden bewusst gemacht, um so alle wichtigen Faktoren, die sich auf die Stimme auswirken nachvollziehen und verändern zu können.

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